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GLOSSAR VON A bis Z
Medien
Ein Medium ist das, was wir als einen allgemeinen Kommunikationsstandard akzeptieren. Man sollte es sich nicht als ein verbindendes Glied zwischen den Kommunikationspartner vorstellen, sondern eher als eine gemeinsame Hülle oder einen Raum, den man betritt. Medien sind nie neutral in Bezug auf den Inhalt der kommuniziert wird, sondern sie verändern ihn. Die Interaktion in einem Medium findet immer vor dem Hintergrund aller vorangegangenen Interaktionen statt, die gleichsam als Bilder, Tapeten, Gegenstände und Werkzeuge diesen Raum definieren. In einem Medium bilden sich immer bestimmte Interaktionsmuster aus, die einerseits die Erfahrungen vorangegangener Interaktionen speichern und die andererseits als Anleitung für gegenwärtige Interaktionen zur Verfügung stehen. Diese Interaktionsmuster manifestieren sich in Gestalt von Werkzeugen, Programmen, Geräten, aber auch in Gestalt von Wörtern und Sätzen. Wenn wir in einem Medium kommunizieren, greifen wir immer auf solche Artefakte und damit auf kulturell standardisierte Interaktionsmuster zu; Der Zugriff auf vorhandene Interaktionsmuster erleichtert die "Formulierung" eines kommunikativen Bedürfnisses und es garantiert in gewissem Grade auch, daß man vom Gegenüber verstanden wird.
Neue Medien
In neuen Medien gibt es zunächst keine standardisierten Interaktionsmuster. Durch die hohe Technisierung von Medien werden Standards oft von Technikern oder Marketing-Managern vorgegeben; in der Praxis decken sie sich aber häufig nicht mit den realen Benutzerbedürfnissen und werden nachträglich permanent verändert. So scheitert etwa der sogenannte E-Commerce immer noch an standardisierten und sicheren Interaktionsmustern, wie der Auswahl der Ware oder ihrer Bezahlung. Das Fehlen von standardisierten Interaktionsmustern ist aber grundsätzlich nicht negativ zu sehen. Es macht den "Reiz des Neuen" aus. Es ist ein Spielplatz für Träume und Visionen. Medien, in denen standardisierte Interaktionsmuster fehlen, nenne ich "virtuell". Aus meiner Sicht hat Virtualität also weniger mit Sinnestäuschung oder Simulation zu tun, sondern sie bezeichnet einen kulturellen Raum, der sich "in Realisierung" befindet, der, um mit Flusser zu sprechen, "zur Wirklichkeit drängt". Für Menschen mit Visionen sind virtuelle Räume der geeignete Ort um ihren gesellschaftsverändernden oder künstlerischen Ziele zu verfolgen. Hier ist durch den Mangel an Standardisierung viel Platz für unkonventionelle und experimentelle Interaktionsmuster und das ist auch von großem Wert für stabilere Bereiche in unserer Kultur. Andererseits ist ein virtueller Raum aber ein ziemlich ungünstiger Ort um Geschäfte abzuwickeln, denn dazu bedarf es Standards und Konventionen. Gesetze, Verträge und Microsoft-Programme sind nichts anderes als hoch standardisierte Interaktionsmuster, die im neuen Medium für Sicherheit sorgen. Visionen und Profitinteressen sind einander widerstrebende Kräfte, die sich aber wechselseitg brauchen und voneinander profitieren können. Möglicherweise ist das Internet auch ein Raum in dem beide Kräfte Platz haben, ohne einander verdrängen zu müssen. Möglicherweise ist es aber nur eine Frage der Zeit bis auch der letzte Winkel des Netzes gesetzlich geregelt und durchkommerzialisert ist ... aber dann haben wir längst ein neues Medium gefunden.
© Copyright 2004 Gernot Tscherteu. 
Last update: 16.11.2004; 12:07:50.
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