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Weblogsysteme - ein Vergleich
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CMS - Definition

Der Begriff Content-Management-Systemen (CMS) umfasst alle Systeme, die eine Trennung von (redaktionellen) Inhalten, also Texten und Bildern, und ihrer Präsentation in Gestalt eines Layouts und einer Navigationsstruktur, ermöglichen.

Durch diese Trennung wird es u.a. möglich den Betrieb umfangreicher Websites (Zeitungen, firmenpages,...) arbeitsteilig zu gestalten. Es gibt dementsprechend verschiedene Rollen:

den Autor: Er verfasst Artikel und speisst Material ( Photos, Sounds,...) in das System ein.

den Screendesigner: er legt das Aussehen von Musterseiten fest und gestaltet entsprechende Vorlagen. Wenn ein neuer Artikel online geht, werden Texte, Bilder und andere Inhalte in eine entsprechende Vorlage eingebettet.

Schließlich gibt es noch Rollen die Managementfunktionen abdecken:

den "Content Manager" oder "Managing Editor": Er entscheidet, ob ein Artikel online geht und kann Inhalte noch überarbeiten.

den "Administrator": er ist für den technischen Betrieb und die Benutzerverwaltung zuständig. Er programmiert auch neue grafische Vorlagen in das System ein. Je nach System können die Rollen natürlich variieren.

Redaktionssysteme, Foren, Logs

Die Meinungen was unter einem Content-Management-System zu verstehen ist, gehen ziemlich auseinander. Die obenstehende Definition ist eine einfache, aber sehr weit gefasste und so fallen bei genauer Betrachung sehr viele unterschiedliche System darunter. Dem kommerziellen Anwendungsbereich entsprechend unterscheidet Contentmanagament.de etwa in Enterprise Content Management, Agenturlösungen, Redaktionssysteme Intranet, Open-Source-Lösungen, Groupware-Lösungen und ASP-Lösungen. (siehe http://www.contentmanager.de/itguide/marktuebersicht.html)

Die hier gewählte Unterteilung in Redaktionssystem, Foren und Logs ist nur eine unter vielen möglichen und sie hat hier den Sinn und Zweck zu zeigen, wie diese drei unterschiedlichen Entwicklungsstränge langsam zusammenwachsen.

(Redaktionssysteme) Im Allgemeinen bilden klassische C-M-Systeme einen Redaktionsbetrieb ab. Meist gibt es neben dem internetbasierten System auch ein "reales Redaktionsleben" und das Redaktionteam trifft sich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen für eine Besprechung. Das CMS bietet die Möglichkeit der orts- und zeitungebundenen Eingabe von Inhalten sowie die Möglichkeit Inhalte in einer vorgegeben Struktur abzulegen (z.B. Politik, Wirtschaft, Sport.... oder Produkte, Leistungen, Mitarbeiter,....) (für einen ausführlichen und ausgezeichneten Vergleich von Redaktionssystemen siehe PHP Magazin 2.02

(Foren) Doch gerade das Internet hat immer mehr Formen der Zusammenarbeit hervorgebracht, bei denen sich die Kooperationspartner kaum kennen, wo aber trotzdem gemeinsam Inhalte erarbeitet werden. Die ältesten und verbreitetsten Formen solcher Systeme sind Diskussionsforen. Im Prinzip werden auch in einem Diskussionsforum Inhalte in standardisierter Form gepostet: Es gibt einen Titel und einen Inhalt und eine bestimmte Position in einem Thread. Auf diese Weise können ohne HTML-Kenntnisse Fachdiskussionen, aber auch strukturierte Einführungen in ein Thema, Tutorials usw. durchgeführt bzw. umgesetzt werden. Gemäß der obenstehenden Definition sind sogar Usenet-Newsgroups als einfache CMSysteme zu bezeichnen.

(Logs) Daneben haben sich einfachste Ein-Personen-Content-Management-Systeme herausgebildet, bei denen es meist einen einzigen Autor gibt, der ein öffentliches Tagebuch führt. Der gemeinsame Nenner bei Weblogs besteht darin, dass ein Beitrag einen Titel, einen Autor und einen Datumsstempel hat. Neue Beiträge werden auf der ersten Seite in der Reihenfolge ihrer Eingabe veröffentlicht. Ältere Beiträge sind über ein Archiv abrufbar, das oft in der Metapher eines Kalenders ausgeführt ist. Radio Userland ist ein Beispiel für ein Weblog-System mit schon sehr fortgeschrittenen Content-Managment-Funktionen. Mit Radio Userland kann eine gesamte Website komfortabel betrieben und verwaltet werden, allerdings nur von einer einzigen Person, nämlich dem Weblogbetreiber selbst.

In der letzten Zeit sind allerdings viele Weblog-Projekte entstanden, bei denen mehrere Personen mitarbeiten, und es sind entsprechende Software-Lösungen entwickelt worden. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Redaktionssystemen, Logs und Foren zunehmend und etwas neues ist am entstehen. Das wichtigste Merkmal dieser neuen Content-Management-Systeme ist, daß es keine Trennung mehr zwischen Benutzern gibt, die Inhalte produzieren und solchen die sie konsumieren. Die Leser sind zugleich die Autoren. So betrachtet, sorgen diese System für eine demokratisierung und weite Verbreitung der Möglichkeit Inhalte im Web zu publizieren. Durch das Verschmelzen von Content-Managementfunktionen und Communityelementen werden nun neue noch mächtigere Medien möglich. Insbesondere durch die Möglichkeit,

  1. Inhalte zu strukturieren,
  2. sie anprechender und benutzerfreundlich zu präsentieren, und
  3. durch die Möglichkeit Usern verschiedene Rollen und Rechte zu geben,

werden nun ästhetisch ansprechende und sozial reichhaltige Medienumgebungen geschaffen. Kleine Gruppen schaffen sich so ein ansprechendes und unterhaltsamen Privatmedium oder sie schaffen eine Plattform für orts- und zeitungebundene Zusammenarbeit. Es ist interessant zu beobachten wie sich die soziale Zusammensetzung in Community-Weblogs verändert hat: Der Frauenanteil ist hier besonders hoch. Weblogs ziehen nicht Technikfreaks an sondern Menschen, die das Internet einfach für ihre kommunikativen Ziele verwenden. Nicht die Technik steht im Vordergrund sondern die Kommunikation und der Wunsch sie einfach und ästhetisch ansprechend zu gestalten. Communitylogs scheint mir auch der treffendste Begriff für diese neuen Content-Managementsysteme zu sein.

Die aus meiner Sicht interessantensten Software-Lösungen für Communitylogs sind Manila Userland und Antville.org. Beide Produkte sind von der Gestaltung und der Interfacemetapher her betrachtet typische Weblogs. Im Hintergrund verbergen sich allerdings interessante Content-Management-Funktionen, wie zum Beispiel die Möglichkeit, Stories nach Kategorien / Topics zu unterteilen und vor allem die Möglichkeit von Macros, wodurch die einfache Verlinkung von Stories und das systematisierte Anlegen und Einbinden von Bilder und File-Archiven möglich wird. (Bei Manila gibt es darüberhinaus eine Scripting-Sprache). In Manila ist weiters ein Diskussionsforum eingebaut bei dem Messages nachträglich in Stories und damit in "höherwertigen Content" umgewandelt werden können. Das Rollen- und Rechtesystem ist in beiden Systemen gut entwickelt und deckt die meisten Anwendungsfälle ab. Selbst viele der teuren Redaktionssysteme sind hier eindeutig unterlegen.

Was Weblogsysteme allgemein und Communitylogs besonders interessant macht - und sie von Redaktionssystemen (zumeist) unterscheidet - ist, daß sie Content über die Systemgrenzen hinweg einbinden können. Bei Manila etwa kann man die RSS-Feeds (das sind die Kurzfassungen der Welcome_Page) von anderen Logs oder von Online-Zeitungen abonnieren. (Mehr zu RSS unter der schockwellenreiter) Dadurch erhalten Communitymember nicht nur auf einer einzigen Seite einen interessanten Überblick über alle Neuigkeiten von allen abonnierten Sites, sondern es besteht auch die Möglichkeit mit einem Click eine Auswahl dieser Neuigkeiten im eigenen Log zu posten. Umgekehrt stellen die meisten Weblogs auch anderen Systemen ihre RSS-Feeds zu Verfügung; Auf diese Weise werden Neuigkeiten schneeballartig verbreitet, oft schneller als über herkömmliche Nachrichtenagenturen und es entstehen effektive Nachrichtenkanäle auch für Spezialthemen und Nischen.

Insgesamt ist eine neuartige, völlig dezentral aufgebaute Informationslandschaft am entstehen, welche die herkömmlichen News-Medien (Zeitung, TV-News) nicht ablösen aber eine demokratisierte und sehr kostengünstige Alternative bzw. Ergänzung zu ihnen bieten werden. Ohne Zweifel wird es Kanäle wie CNN und gute wie schlechte Zeitungen weiter geben, daneben aber können Gruppen und lose Netzwerke von Individuen mit ähnlichen Interessen und Neigungen ihre Nischenmedien betreiben, in denen sie auf sehr schnelle und einfache Weise miteinander in Verbindung treten können. Auch wenn dadurch die Macht bestehender Massenmedien und Medienkonzerne kaum gekratzt werden dürfte, so stellen Weblogs und Communitylogs doch einen wesentlichen Schritt für die Vernetzung von guten Geistern und Initiativen dar, was über längere Zeit betrachtet auch Auswirkungen auf kulturellen Entwicklungen haben wird. Weblogs und Communitylogs werden mit Sicherheit kein Massenmedium werden, aber sie haben jedenfalls das Zeug zu einem Avantgarde-Medium zu werden, das gleichermassen Träger und Versuchsfeld für Neues sein wird.

© Copyright 2004 Gernot Tscherteu. Click here to send an email to the editor of this weblog.
Last update: 16.11.2004; 12:08:33.